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Gasbrand - Gasödem, malignes Ödem (engl. gas gangrene)

Gasbrand ist eine schwere Wundinfektion, die heutzutage zwar selten ist, aber unbehandelt zum Tod führt. Auslöser der bakteriellen Infektion sind Clostridien - vorwiegend Clostridium perfringens. Diese Erreger bilden unter Luftabschluss in tiefem, vorgeschädigtem Gewebe gewebszersetzende Enzyme (Proteasen, Kollagenasen, Phospholipasen), die zum ausgedehnten Gewebsuntergang führen. Zudem produzieren sie Toxine (= Gifte). Gelangen diese über das Blut in den Körper, treten schnell lebensbedrohliche Allgemeinsymptome auf. Ein typisches Charakteristikum der Erkrankung ist, dass das betroffene Gewebe stark anschwillt, da die Bakterien Gase bilden. Jedoch machen den Gasbrand die gewebszersetzenden Enzyme und Toxine so gefährlich und nicht die Bläschenbildung, wie der Krankheitsname vermuten ließe. Die Infektion mit den Keimen erfolgt durch Verunreinigung einer tiefen Wunde. Dies kann beispielsweise bei einem Verkehrs- oder Sportunfall sowie bei Operationen der Fall sein. Es ist auch möglich, dass die Erreger in Wunden gelangen, die beim Geburtsvorgang entstanden sind. Eine Puerperalsepsis ("Kindbettfieber") oder ein septischer Abort (Fehlgeburt mit Bakterienbelastung des Blutes) können die Folge sein. Selbst bei einer Injektion ins Muskelgewebe kann der Erreger übertragen werden.

Aufgrund der schnellen und guten Wundversorgung und der Antibiotikatherapie kommt Gasbrand heutzutage jedoch nur noch selten vor.

Erreger

Die Erreger des Gasbrandes sind bestimmte Gattungen von Clostridien. Diese Bakterien zeichnen sich dadurch aus, dass sie stoffwechselinaktive Dauerformen, sogenannte Sporen bilden. Diese dienen dem Überleben und der Verbreitung der Keime. Die Sporen kommen weltweit vor und finden sich in der Erde, in Staub und Wasser sogar in Lebensmitteln oder im Darm von Menschen und Tier.

Treffen diese Sporen nun auf für sie günstige Lebensbedingungen, so "keimen" sie aus und entwickeln sich zur stoffwechselaktiven Lebensform, also stäbchenförmigen Bakterien. Eine Vermehrung der Keime sowie Toxin- und Enzymbildung erfolgt nur unter anaeroben Bedingungen, das heißt unter Sauerstoffausschluss, also in tiefen Wunden, nicht auf der Hautoberfläche. Die "Sauerstoffscheu" der Bakterien macht man sich bei ihrer Behandlung zunutze.

Bemerkenswert ist, dass zur Gattung der Clostridien noch einige Organismen zählen, die sehr starke Giftstoffe freisetzen können. Dies ist beispielsweise Clostridium tetani, der Erreger des Wundstarrkrampfes oder Clostridium botulinum, das zur Lebensvergiftung Botulismus führt. Die muskellähmende Wirkung des Botulinum-Toxins wird als Schönheitsspritze zur Faltenglättung verwendet.

Übertragung und Inkubationszeit

Das Risiko an Gasbrand zu erkranken ist besonders hoch, wenn tiefe Wunden durch Erde oder sonstiges infektiöses Material verunreinigt werden, oder wenn zerquetschtes oder abgestorbenes Gewebe vorhanden ist, dass infiziert wird. Je schlechter die Sauerstoffversorgung im infizierten Gewebe ist, desto günstiger sind die Wuchsbedingungen für die Clostridien. Bei Gallenblasen- oder Dickdarmoperationen gilt Gasbrand als Komplikation. Die Bakterien stammen dann aus dem Darm des Patienten. Gefährdet sind auch Patienten mit offenen Knochenbrüchen oder Erfrierungen. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch oder von Tieren auf den Menschen erfolgt nicht.

Die Inkubationszeit beträgt 5 bis 48 Stunden, selten mehrere Tage oder Wochen.

Symptome

Gasbrand führt zunächst zu starken Schmerzen im infizierten Wundgebiet, später schmerzt der ganze Körper. Das befallene Areal sieht anfangs stark geschwollen und bleich aus. Dann verfärbt es sich rot oder bronzefarben und schließlich schwärzlich-grün. Bisweilen sondert sich aus der Wunde eine trübbraune bis blutige Wundflüssigkeit ab, die faulig bis fad-süßlich riecht. Oft bilden sich auch größere, flüssigkeitsgefüllte Blasen; darin können Gasblasen sichtbar sein, oder die Gasblasen lassen sich unter der Haut ertasten. Bei Druck auf die Wunde entweichen Gasblasen unter hörbarem Knistern. In diesem anfänglichen Stadium der Erkrankung haben die Patienten einen stark beschleunigten Puls, die Körpertemperatur ist aber nur wenig erhöht. Schreitet die Infektion weiter voran, so kommt es zu einer immer weiter fortschreitenden Zersetzung und Verflüssigung von Gewebe. Vor allem das Muskelgewebe im Bereich der infizierten Wunde ist betroffen. Werden die Bakterien und Toxine mit dem Blut weiter in den Organismus geschwemmt, so treten Tachykardie (= Herzrhythmusstörung mit zu schnellem Herzschlag), Zyanose, extrem tiefe, schnelle Atmung und Gelbsucht auf. Schließlich kommt es zum Blutdruckabfall und es folgen - aufgrund eines toxischen Herz-Kreislauf- oder Nierenversagens - Koma und Tod.

Diagnose

Allein aufgrund der Symptome und der körperlichen Untersuchung vermutet der behandelnde Mediziner oft schon den Gasbrand. Eine weitere Bestätigung erhält man aus dem Röntgenbild (gefiederte Muskulatur, Gasblasen im Muskelgewebe). Allein bei Verdacht auf diese Wundinfektion werden sofort Behandlungsmaßnahmen eingeleitet, da Gasbrand innerhalb von 48 Stunden tödlich verläuft! Parallel kann aus der Wunde Flüssigkeit entnommen und mikrobiologischen Untersuchungen zugeführt werden. Die genaue Keimbestimmung dauert aber mehrere Tage.

Behandlung

Der Patient wird sofort mit hochdosierten Antibiotika behandelt (Metronidazol, Clindamycin und Penicillin G). Zusätzlich wird alles abgestorbene und infizierte Gewebe chirurgisch entfernt. Eventuell ist eine Amputation von Gliedmaßen nötig. Auf jeden Fall werden so genannte aerobe (= mit Luft) Wundverhältnisse herbeigeführt. Meist frühzeitig wird mit einer Sauerstoffüberdrucktherapie begonnen. Unterstützende Behandlungen umfassen eventuell eine Schocktherapie, Transfusionen und eine Blutwäsche bei Nierenversagen. Vorbeugung und Prognose

Eine gründliche Säuberung von Wunden und das Entfernen von Fremdkörpern oder totem Gewebe ist die beste Vorbeugung vor Gasbrand. Vor und nach Bauchoperationen gibt man prophylaktisch Antibiotika, um einer Infektion vorzubeugen. Unbehandelt führt Gasbrand zum Tod. Bei rechtzeitiger, adäquater Behandlung sterben 20 bis 25 Prozent der Erkrankten.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 19.06.2008


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