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Postinfektiöse Endokarditis - rheumatische Endokarditis

Das Endokard oder die Herzinnenhaut kleidet die gesamte innere Oberfläche des Herzens aus. Die Herzinnenhaut lässt Sauerstoff und Nährstoffe passieren und gewährleistet so die Versorgung der direkt unter ihr liegenden Herzmuskelschichten. Sie geht zudem auf die Herzklappen und ihren Haltapparat über. Auch diese beiden Strukturen werden durch sie geschützt und ernährt.

Der medizinische Fachbegriff "Endokarditis" bezeichnet die Entzündung der Herzinnenhaut. Betroffen sind meist die Aorten- und Mitralklappe und dabei besonders die mechanisch stark beanspruchten Klappenränder. Spätfolgen einer Endokarditis können daher Herzklappenfehler sein. Es werden verschiedene Formen der Endokarditis unterschieden. Die so genannte postinfektiöse Endokarditis tritt nach einem Infekt des Rachenraums mit ß-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A auf und stellt ein Symptom des rheumatischen Fiebers dar.

Der Altersgipfel für diese Erkrankung liegt zwischen dem fünften und 17. Lebensjahr. Bei etwa ein bis drei Prozent aller nicht behandelten Infektionen dieser Altersgruppe tritt rheumatisches Fieber auf. Knapp die Hälfte bis zwei Drittel der Erkrankten entwickelt dann eine postinfektiöse Endokarditis.

Ursache

Die postinfektiöse Endokarditis entwickelt sich erst zwei bis drei Wochen nach einem Infekt mit einer bestimmten Bakterienart - den ß-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A. Sie sind die typischen Krankheitserreger des Scharlachs, einer eitrigen Mandelentzündung oder Rachenentzündung sowie von Mittelohrentzündungen. Bisweilen verursachen sie auch akute Hautinfektionen (Pyodermie, Erysipel). Diese Bakterienart findet sich auch bei circa 10% der gesunden Bevölkerung im Rachenraum.

Das Entzündungsgeschehen am Herzen lässt sich nicht auf eine direkte Besiedelung des Herzens mit den Bakterien zurückführen, sondern es handelt sich um eine Autoimmunreaktion. Der menschliche Körper bildet gegen bestimmte bakterielle Proteine der Streptokokken Antikörper. Diese bakteriellen Proteine sind denen auf der Zelloberfläche des menschlichen Körpers (bsp. des Endokards) sehr ähnlich. Die Antikörper greifen also fälschlicherweise eigene Körperzellen an.

Symptome der Postinfektiösen Endokarditis

Das rheumatische Fieber und eventuell die Endokarditis treten erst zwei bis drei Wochen nach der Streptokokkeninfektion auf. Das rheumatische Fieber ist gekennzeichnet durch hohes Fieber, häufig begleitet durch Gelenkschmerzen, einen Hautausschlag (Rumpf, Bauchnabel, Schienbein), tastbare Knötchen unter der Haut (Fußsehnen, Unterarm, Becken) und Herzbeteiligung. Dabei kann es sowohl zu einer Herzmuskelentzündung (Myokarditis) als auch zu einer Endokarditis kommen. Die postinfektiöse Endokarditis tritt vor allem an den mechanisch stark beanspruchten Herzklappen - also der Mitral-und Aortenklappe - auf. Sie können sich entzündungsbedingt verdicken und schrumpfen und somit ihre normale Funktionsfähigkeit einbüßen (siehe dazu auch den Lexikonartikel Herzklappenfehler). Als Symptome der Endokarditis und der allgemeinen Herzbeteiligung treten vor allem ein beschleunigter Herzschlag, veränderte Herzgeräusche, Herzrhythmusstörungen und Schmerzen in der Herzgegend auf. Ist das Herz stark geschwächt, so leiden die Patienten unter Atemnot und verminderter Belastbarkeit.

Diagnose

Auch bei bloßem Verdacht auf rheumatisches Fieber erfolgt eine Untersuchung des Herzens mit verschiedenen Untersuchungstechniken. Das EKG gibt Auskunft über eventuell auftretende Rhythmus- und Leitungsstörungen des Herzens. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung lassen sich Herzmuskel- und Herzklappenfunktionen beurteilen.

Behandlung

Die Behandlung umfasst körperliche Schonung während der gesamten Krankheitsphase. Außerdem werden entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente - wie Acetylsalicylsäure - gegeben. Gleichzeitig wird für mindestens 10 Tage mit Antibiotika (vorwiegend Penicillin oder Makrolid-Antibiotika) behandelt, um die Infektionserreger abzutöten. Bei schweren Verläufen werden Cortison und Immunsuppressiva eingesetzt.

Verlauf und Prophylaxe der rheumatischen Endokarditis

Bei fachgerechter Behandlung heilt die postinfektiöse Endokarditis nach vier bis acht Wochen aus. Danach ist eine sorgfältige kardiologische (= das Herz betreffende) Untersuchung nötig, um eventuell auftretende Herzklappenschäden rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. Das Auftreten von Spätfolgen ist umso geringer, je früher behandelt wird. So lässt sich ein Auftreten des rheumatischen Fiebers und der postinfektiösen Endokarditis durch Gabe von Antibiotika (10 Tage) bereits in der Phase der akuten Streptokokkeninfektion (akute Halsschmerzen, typische Scharlachsymptome) völlig vermeiden. Treten die ersten - eventuell unspezifischen - Symptome des rheumatischen Fiebers auf, so kann mit einer sofortigen Behandlung das Risiko, an einem Herzklappenfehler zu erkranken, reduziert werden.

Wird das rheumatische Fieber und die postinfektiöse Endokarditis nicht behandelt, so besteht eine um 50% erhöhte Wahrscheinlichkeit später wieder zu erkranken. Ein erhöhtes Risiko an entzündlichen Veränderungen der Herzinnenhaut zu erkranken, haben jedoch nicht nur Patienten, die bereits diese Entzündung durchgemacht haben, sondern auch Personen, die unter angeborenen oder erworbenen Herzfehlern, wie Löchern in den Herzscheidewänden, leiden. Bei beiden Patientengruppen wird daher eine sogenannte Endokarditisprophylaxe durchgeführt.

Bei erstmalig an einer postinfektiösen Endokarditis erkrankten Patienten wird die Antibiotikagabe (Depotpenicillin) über einige Jahre fortgeführt.

Eine Antibiotikagabe erfolgt prophylaktisch auch vor verschiedenen ärztlichen Eingriffen (bsp. Operationen, die die Schleimhaut der Atemwege einbeziehen, zahnärztlichen Eingriffen, bestimmten Eingriffen des Verdauungstraktes) bei Patienten mit bestimmten angeborenen oder erworbenen Herzerkrankungen oder bei Patienten, die bereits eine Endokarditis durchgemacht haben.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 27.10.2007


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