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Dünndarmtumor (engl. tumor of the small intestine)

Als Dünndarmtumor werden sowohl die gutartigen, als auch bösartigen Neubildungen im Dünndarm bezeichnet. Dieser Darmbereich schließt sich direkt an den Magen an und ist zwei bis drei Meter lang. Hier wird die Nahrung weiter zerlegt und die verwertbaren Nährstoffe aufgenommen. Als Ursache für die Tumoren können bestimmte Risikofaktoren und gewisse Darmerkrankungen (bsp. Morbus Crohn) ausgemacht werden. Die Tumoren verursachen lange keine Beschwerden. Ab einer gewissen Größe bedingen sie dann jedoch Bauchschmerzen, Übelkeit und Blutungen. Eine Streuung über die Lymphbahnen oder das Blut ist möglich. Therapiert wird in der Regel operativ. Die Dünndarmtumoren machen nur fünf Prozent aller Tumoren des Verdauungstraktes aus; die bösartigen Tumoren sind sehr selten.

Tumorarten

Gutartige (= benigne) Dünndarmtumoren

Die benignen Tumoren nennt man auch Darmpolypen. Sie treten einzeln oder in größerer Anzahl auf. Im Vergleich zu den bösartigen Tumoren wachsen sie nicht in andere Gewebe ein und streuen nicht über die Lymphbahnen und das Blutsystem. Jedoch auch diese Wucherungen können Beschwerden verursachen. Dies geschieht, wenn sie zu groß werden und den Darm verschließen. Die Folge kann ein lebensbedrohlicher Darmverschluss sein. Zudem haben sie die Neigung zu entarten. Je nachdem aus welchem Gewebe sich die gutartigen Geschwülste entwickeln, werden sie unterschiedlich bezeichnet. Es gibt das Adenom (Ursprung Schleimhaut), Leiomyom (Muskulatur), Fibrom (Bindegewebe), Lipom (Fettgewebe), Angiom (Blutgefäße) und neurogene Tumoren (Nerven). Manche Tumoren bestehen auch aus verschiedenen Geweben.

Bösartige (= maligne) Dünndarmtumoren

Maligne Dünndarmtumoren machen nur ein bis drei Prozent aller malignen Tumoren des Verdauungstraktes aus. Die Tumoren können direkt im Dünndarm entstehen oder sie sind Metastasen anderer bösartiger Geschwülste. Krebserkrankungen, die häufig in den Dünndarm metastasieren, sind der schwarze Hautkrebs sowie der Bauchspeicheldrüsen- und Magenkrebs.

Auch die bösartigen Tumoren werden - je nach ihrem Ursprungsgewebe - unterschiedlich benannt. Vorwiegend findet man im Dünndarm sogenannte Adenokarzinome (Drüsengewebe/Schleimhaut), des Weiteren Sarkome (Muskel- und Bindegewebe), Lymphome (Lymphgewebe) und Karzinoide (hormonbildende Zellen).

Ursachen

Die genauen Entstehungsursachen der Tumoren sind nicht bekannt. In engem Zusammenhang mit der Ausbildung der Geschwülste stehen bestimmte, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen, wie der Morbus Crohn. Auch genetisch bedingte Darmkrankheiten, wie die familiäre Polyposis, bei der es zu vermehrten Bildung von Polypen kommt, erhöhen das Erkrankungsrisiko.

Symptome

Gutartige Darmtumoren bereiten über einen langen Zeitraum keine Beschwerden. Eventuell treten Blutungen auf. Bei starker Ausdehnung des Tumors kann das Darmlumen stark eingeengt werden; Schmerzen können die Folge sein. Blockiert der Tumor die Passage des Verdauungsbreis, so kommt es zum Darmverschluss (Ileus). Dies ist eine lebensbedrohliche Situation, bei der sofort operativ interveniert werden muss.

Auch die bösartigen Darmtumoren verursachen erst nach einiger Zeit Beschwerden. Die Patienten sind häufig anämisch (= blutarm), da die Tumoren die Tendenz haben zu bluten. Unspezifische Symptome sind Übelkeit, Erbrechen, Durchfälle oder Verstopfungen sowie Blähungen. Zudem können kolikartige Schmerzen auftreten. Es besteht ebenso die Möglichkeit, dass die bösartige Geschwulst zu einem Darmverschluss führt.

Ausbreitung

Darmtumoren haben die Eigenschaft zu wachsen und an Volumen zuzunehmen. Die bösartigen Formen wachsen auch in umliegendes Gewebe ein oder breiten sich auf andere Darmschlingen aus. In letzterem Fall entstehen tumoröse Verwachsungen, sogenannte Konglomerattumoren. Breitet sich der Krebs auch auf das Bauchfell aus, so kann eine Ascites (= Wasseransammlung im Bauchraum) die Folge sein. Zudem ist die Ausbildung von Tochtergeschwülsten in den angrenzenden Lymphknoten oder anderen Organen möglich. Metastasen bilden sich bevorzugt in der Lunge und den Knochen.

Diagnose

Anhand der geschilderten Beschwerden und der körperlichen Untersuchung ist eine Verdachtsdiagnose möglich. Bei schlanken Patienten können die Tumoren bisweilen auch durch die Bauchdecke getastet werden. Um Gewissheit zu bekommen, erfolgt eine Röntgenuntersuchung des Dünndarms mit Kontrastmittel. Eine weitere Methode, um einen Teil des Dünndarms von innen her zu begutachten, ist die Magen-Darm-Spiegelung. Verdächtiges Gewebe kann dabei gleich entnommen und feingeweblich untersucht werden. Der Ultraschall, die Computertomografie und die MRT (= Magnetresonanztomografie) dienen dazu, die Ausbreitung des Tumors auf andere Organe zu beurteilen. Bleiben alle diese Diagnosemethoden bei der Suche nach einem Dünndarmtumor erfolglos und besteht weiterhin der Verdacht, dass ein Tumor vorliegt, bleibt als letztes Diagnosemittel die Probelaparotomie. Dabei wird die Bauchdecke eröffnet und die Organe des Bauchraums beurteilt. Weniger invasiv ist die Laparoskopie (Bauchspiegelung).

Behandlung

Darmtumoren werden in der Regel operativ entfernt. Bei gutartigen Geschwülsten muss dieser Schritt bei Komplikationen, wie Blutungen, Einengungen des Darmlumens oder einem Darmverschluss sofort erfolgen. Bereiten sie keine Beschwerden kann eine abwartende Haltung eingenommen werden, jedoch bedarf es einer engmaschigen Kontrolle des Tumors. Bösartige Tumoren sollten immer schnellstmöglich therapiert werden. Im Vordergrund steht auch hier die operative Entfernung des Tumors und der umgebenden Lymphknoten. Weitere Möglichkeiten sind die Strahlen- und Chemotherapie. Oft werden die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten miteinander kombiniert. Bei der Operation werden der Tumor und eine mehrere Zentimeter große Sicherheitszone entfernt, ebenso die umgebenden Lymphknoten Unterstützend oder zur Linderung der Beschwerden kommen auch die Strahlen- und Chemotherapie zum Einsatz. Die Strahlentherapie wirkt eher lokal auf die Tumorregion, die Chemotherapie dient auch dazu, um Metastasen zu behandeln.

Nach Beendigung der Therapie sind vor allem bei bösartigen Tumoren regelmäßige Nachsorgetermine wichtig, um das erneute Auftreten eines Tumors rechtzeitig zu erkennen.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 19.06.2008


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