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Crohn-Krankheit (engl. Crohn´s disease)

Die Crohn-Krankheit zählt zu den chronisch-entzündlichen Darmkrankheiten. Sie tritt oft schubweise auf und kann alle Abschnitte des Verdauungstraktes erfassen. Am häufigsten kommt sie jedoch am Übergang vom Dünndarm in den Dickdarm vor, das heißt, am Ende des Krumm- und am Anfang des Grimmdarms. Typisch für die Erkrankung sind diskontinuierliche, segmentale, krankhafte Veränderungen (sog. Skip lesions). Damit gemeint ist, dass sich gesunde Darmbereiche mit erkrankten Darmabschnitten abwechseln. Die krankhaften Veränderungen umfassen aphtöse Läsionen (= Schädigungen), Fisteln und geschwollene Lymphfollikel, die zu Schleimhautrissen und Vernarbungen führen und die typische Kopfsteinpflasterstruktur des Darms bewirken.

Die Erkrankung wird auch noch als Morbus Crohn, Ileitis terminalis und Enteritis regionalis Crohn bezeichnet. Die Anzahl der jährlichen Neuerkrankung liegt bei 2 bis 4 Personen auf 100.000 Einwohner. Insgesamt wird von einer (Neu- und Alterkrankungen) Erkrankungshäufigkeit von 250 bis 500 Menschen auf 100.000 Einwohner ausgegangen. Beide Geschlechter erkranken gleich häufig. Morbus Crohn kann in jedem Alter auftreten, der Altersgipfel liegt jedoch zwischen dem 16. und 35. Lebensjahr. Eine familiäre Häufung kann beobachtet werden, Weiße erkranken etwa doppelt so oft wie Farbige. Ein Anstieg der Erkrankungszahlen ist in den letzten 20 Jahren zu verzeichnen.

Was sind die Ursachen der Crohn-Krankheit?

Die genauen Gründe für das Auftreten der Erkrankung sind nicht geklärt. Familiäre Häufung und gleichzeitiges Auftreten bei eineigigen Zwillingen lassen auf eine genetische Komponente schließen. Vermutet wird auch eine krankhaft gesteigert Immunreaktion gegen die Darmflora. Als weitere Risikofaktoren werden der Verzehr von raffinierten Kohlehydraten und gehärteten Fetten sowie Tabakkonsum oder die Einnahme von hormonellen Kontrazeptiva (Pille) angesehen. Auch bestimmte Infektionskrankheiten (bsp. Rotaviren) werden mit der Crohn-Krankheit in Verbindung gebracht. Früher wurde auch eine psychosomatische Komponente für den Krankheitsausbruch verantwortlich gemacht, jedoch widersprechen neuere Studien dieser These. Die Krankheitsfolgen können durchaus zu psychischen Problemen führen.

Wie stellt sich das Krankheitsbild dar?

Die Betroffenen klagen über Durchfall (meist unblutig), Unterleibsschmerzen (vor allem im rechten Unterbauch), Schwäche, Gewichtsverlust und Fieber. Viele leiden in der Folge an Blutarmut (Anämie), was auf Eisen- oder Vitamin-B12-Mangel zurückzuführen ist.

Im Verlauf der Erkrankung kann es auch zu zahlreichen Komplikationen kommen:
  • Etwa 20 bis 30% der Erkrankten erleiden einen Darmverschluss (Ileus).
  • Fisteln sind eine häufige Komplikation. Dabei handelt es sich um Verbindungen zwischen dem Darm und anderen Organen. Anzeichen einer Fistelbildung können Kot im Urin oder bei Frauen auch Stuhlabgang aus der Scheide sein.
  • Abszesse (Eiteransammlungen) in der Darmwand.
  • Ein verkleben von entzündeten Darmschlingen führt zu einer Geschwulstbildung, dem so genannten Konglomerattumor (nicht bösartig). Er kann manchmal bereits bei der körperlichen Untersuchung ertastet werden.
  • Lebensbedrohliche Komplikationen, die ein sofortiges ärztliches Handeln erfordern, sind ein Darmdurchbruch und schwere Darmblutungen.
  • Seltene Komplikationen können sich auch außerhalb des Darms zeigen. Dazu zählen: Entzündungen der Augen, der Gallenwege und an den Gelenken sowie Hautveränderungen und Gallen- und Nierensteine.
Wie erfolgt die Diagnose?

Erste Hinweise auf die Erkrankung ergibt bereits die Befragung des Erkrankten (Anamnese). Bei der körperlichen Untersuchung kann häufig schon der Erkrankungsort eingegrenzt, Fisteln oder ein Konglomerattumor können ausgemacht werden.

Zur genauen Diagnosestellung und zur Abgrenzung von anderen Darmerkrankungen (Darminfektionen, Colitis ulcerosa) werden bildgebende Verfahren und laborchemische Untersuchungen eingesetzt. Dazu gehören:
  • Abdomensonographie,
  • Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel,
  • Darmspiegelung, bei der Gewebeproben entnommen werden, die feingeweblich untersucht werden,
  • Untersuchung des Stuhls auf Krankheitserreger,
  • Laboruntersuchungen.
Wie kann behandelt werden?

Eine sofortige ursächliche Therapie gibt es nicht. Die Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die akuten Krankheitsschübe hinauszuzögern und Komplikationen rechtzeitig zu erkennen. Während des akuten Schubs kann es notwendig sein, den Erkrankten künstlich zu ernähren. Generell sollten alle unverträglichen Nahrungsmittel strikt gemieden werden. Die Ernährung sollte Eiweiß- und kalorienreich gestaltet werden. Zucker sollte stark reduziert werden („Lutz-Diät“, spezielle Kohlenhydratdiät). Der Durchfall kann mit Anti-Durchfall-Mitteln (bsp. Loperamid) behandelt werden. Beim akuten entzündlichen Schub erfolgt der Einsatz von Glukokortikoiden. Bei einem chronischen aktiven Verlauf werden Immunsuppressiva wie Azothioprin oder Methotrexat eingesetzt. Vor allem bei Abszessen oder Fistelbildung wird der Patient mit dem Antibiotikum Metronidazol behandelt. Um einen Schub zu verhindern müssen die Immunsuppressiva über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Ein sofortiges operatives Eingreifen ist bei einem Darmverschluss oder Darmdurchbruch erforderlich. Eine begleitende Psychotherapie wird empfohlen. Weder die chirurgische Therapie noch Medikamente können derzeit die Crohn-Krankheit heilen.


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