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Borreliose (engl. Lyme disease)

Die Lyme-Borreliose oder Erythema-migrans-Krankheit ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Zecken übertragen wird. Im mitteleuropäischen Raum ist der Überträger der gemeine Holzbock (Ixodes ricinus), in den USA Ixodes dammini. Entsprechend der Aktivität der Zecken kommt es zu einer saisonalen Häufung der Erkrankung von April bis Oktober, wenn die Zecken in Wäldern, Gebüschen und Gräsern auf ihre Wirte (Säugetiere, Vögel und Reptilien) lauern. Die Infektion mit dem Erreger hinterlässt keine lebenslange Immunität. Ein Impfstoff ist derzeit nicht verfügbar.

Was ist die Ursache der Erkrankung?

Die Krankheit wird von dem Bakterium Borrelia burgdorferi ausgelöst. Es handelt sich um spiralig, korkenzieherförmige Bakterien aus der Gruppe der Spirochaeten. Das Bakterium wurde 1982 von Burgdorfer und Babour entdeckt. Inzwischen sind auch verschiedene Serotypen des Bakteriums bekannt, denen möglicherweise unterschiedliche Pathogenität (Fähigkeit krank zu machen) und Organaffinitäten (bevorzugter Befall bestimmter Organe) zukommen.

Wissenswertes über die Infektion
  • Zecken, die mit dem Bakterium infiziert sind, kommen in ganz Deutschland vor. Die Durchseuchung der Zecken ist aber sehr unterschiedlich (5 bis 50%). Der höchste Durchseuchungsgrad der Zecken mit Borrelien findet sich in Süddeutschland.
  • Jedes Entwicklungsstadium der Zecken, also die Larven (6 Beine), die Nymphen (8 Beine) und die geschlechtsreifen Tiere können die Bakterien übertragen.
  • Häufig bleiben die Zeckenbisse unbemerkt.
  • Die Lyme-Borreliose ist weltweit verbreitet. Es besteht auch in Städten Ansteckungsgefahr (Büsche, Sträucher, Parkanlagen). Bevorzugter Aufenthaltsort der Überträger (Zecken) ist hohes Gras.
  • Die Borrelien werden während des Saugaktes, in der Regel erst nach einigen Stunden - durchschnittlich 8 bis 12 Stunden nach dem Einstich - übertragen.
  • Ein schnelles Entfernen der Zecke minimiert also die Übertragungswahrscheinlichkeit der Borrelien. Die Zecken sollten möglichst vollständig mit einem kurzen Ruck gezogen werden. Mit einer Pinzette oder Zeckenzange wird dabei die Zecke so dicht wie möglich an der Haut des Wirtes gepackt und das Tier mit einem beherzten Ruck herausgezogen. Keinesfalls sollte die Zecke beim Entfernen gequetscht werden. Auch das Beträufeln mit Öl, Nagellack oder Klebstoff sollte unterbleiben. In ihrem Erstickungskampf spuckt die Zecke nur vermehrt Speichel und damit auch Erreger in die Wunde. Die Zecke sollte nicht - in welcher Richtung auch immer - herausgedreht werden.
Wie ist der Krankheitsverlauf?

Die Krankheit verläuft in drei Stadien, wobei nicht jedes ausgeprägt vorhanden sein muss. Stadium I (Lokalinfektion) Innerhalb von wenigen Tagen bis sechs Wochen nach dem Zeckenbiss entsteht eine ringförmige, größer werdende Hautrötung um die Bissstelle, die innen wieder verblasst. Man nennt sie Wanderröte oder Erythema migrans. Die betroffene Haut ist wärmer als ihre Umgebung. Außerdem können grippeähnliche Beschwerden (Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen) bestehen. Charakteristisch sind starke Schweißausbrüche. Unbehandelt verschwinden die Hautrötung und die Beschwerden nach ein bis zwei Wochen wieder. Diese Krankheitsphase kann sich aber auch monatelang hinziehen. Nur etwa 1/3 der Menschen, die von einer infizierten Zecke gebissen wurden, entwickeln die typischen Krankheitsanzeichen. Ein Teil erkrankt nicht oder auf untypische Art und Weise und/oder wird mit der Infektion ohne Antibiotika fertig.

Stadium II (Erregerausbreitung)

Eine weitere Hauterscheinung ist manchmal in diesem Stadium zu beobachten: das so genannte Benigne Lymphozytom (Lymphadenosis cutis benigna). Es handelt sich um eine halbkugelige, scharf abgegrenzte, teils sattrote, teils bläulich-rote Hautverdickung. Sie tritt bevorzugt an den Ohrläppchen, den Brustwarzen und im Genitalbereich auf.

Weitere Symptome sind: Sehr selten kommt es zu Herz- und Muskelentzündungen sowie Entzündungen der Sehnerven. Das Immunsystem der Erkrankten ist in diesem Stadium oft nicht mehr in der Lage, allein mit der Infektion fertig zu werden.

Stadium III (chronische Infektion)

Ohne Elimination der Infektion durch das körpereigene Immunsystem oder eine entsprechende antibiotische Therapie kann sich das Stadium III entwickeln. Es kann sich über Monate und Jahre hinziehen und verursacht dem Betroffenen starke Schmerzen durch Muskel- und Gelenkentzündungen. Die Erkrankten haben rheumatische Beschwerden in einzelnen großen Gelenken (chronische Polyarthritis). Die Nervenstörungen der Phase II verstärken sich. In sehr seltenen Fällen tritt an den Extremitäten eine weitere Hauterscheinung auf. Es handelt sich um die Akrodermatitis chronica atrophicans. Das Unterhautfettgewebe bildet sich zurück und die betroffenen Hautstellen sind blau-rötlich gefärbt. Sie weisen eine zigarettenpapierartige Fältelung auf und haben eine ausgeprägte Venenzeichnung.

Wie erfolgt die Diagnosestellung?

Eindeutig sind die Hauterscheinungen in den einzelnen Erkrankungsphasen. Laborchemisch werden Antiköpertests eingesetzt. Ihre Interpretation ist manchmal problematisch, da nur auf die Antikörper gemessen werden, das heißt es kann nur eine Aussage darüber gemacht werden, ob Erregerkontakt bestand. Die Tests reagieren auch noch positiv, wenn die Erkrankung schon jahrelang zurückliegt. Eine Unterscheidung zwischen einer abgeheilten Lyme-Borreliose und einer noch aktiven therapiebedürftigen Borreliose kann nicht getroffen werden.

Wie wird therapiert?

Die Therapie erfolgt mit Antibiotika. Im Stadium I wird eine orale Antibiotikatherapie (Tetracyclin, Amoxicillin, Makrolid-Antibiotika) durchgeführt; im Stadium II und III muss die Gabe der Antibiotika (beispielsweise Penicillin G) intravenös erfolgen.


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