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Shigellose - Bakterienruhr (Synonym: Dysenterie)

Die Shigellose ist eine weltweit vorkommende Darmerkrankung, deren Leitsymptome wässrige bis blutige Durchfälle, Bauchkrämpfe und Fieber sind. Auslöser der Durchfallerkrankung sind Bakterien der Gattung Shigella. Die Übertragung geschieht über fäkal verunreinigte Lebensmittel und kontaminiertes Wasser sowie durch Schmierinfektionen bei schlechter Handhygiene. Das einzige Erregerreservoir stellt der Mensch dar. Durch die Verbesserung der hygienischen Bedingungen in den Industriestaaten sind die Erkrankungen mit diesem Erreger hier seltener geworden. In Deutschland sind zwei Drittel aller Shigellosen Mitbringsel aus dem Urlaub, vor allem aus Nordafrika und der Türkei. Eine charakteristische Häufung ist in den warmen Sommermonaten zu verzeichnen, Kinder sind besonders häufig betroffen.

Erreger, Verbreitung

Shigellen sind Bakterien, die zur Familie der Enterobacteriaceae gehören. Sie werden in vier Gruppen (Spezies) unterteilt. Die verschiedenen Spezies zeichnen sich durch verschiedene Verbreitungsgebiete und unterschiedlich ausgeprägte Krankheitsverläufe aus. Es sind langanhaltende, zehrende Durchfälle oder auch nur eine leichte Sommerdiarrhö möglich.

Das größte krankmachende Potenzial haben sogenannte toxische Ruhrbakterien. Es handelt sich um Shigella dysenteriae Gruppe A, deren Verbreitungsgebiete die Tropen und Subtropen sind. In unseren Breiten sind die Bakterien der Gruppe B (Shigella flexneri) und der Gruppe D (Shigella sonnei) anzutreffen. Gruppe C (Shigella boydii) findet sich vor allem in Afrika und Asien. Alle Shigellen bilden ein Endotoxin, das zu entzündlichen Reizungen der Darmschleimhaut führt. Nur Shigella dysenteriae Typ 1 bildet zusätzlich ein Exotoxin, das Shiga Toxin 1, welches zu schweren Krankheitsbildern mit Kreislaufzusammenbruch, Nackensteifigkeit und Schock führt.

Shigellen sind bereits bei der Aufnahme von geringen Keimzahlen in der Lage, eine Infektion auszulösen. Der Infektionsweg geschieht fäkal-oral, in wärmeren Ländern vor allem über das Trinkwasser und die Nahrung. Hierzulande muss auch mit einer Verbreitung über Badegewässer gerechnet werden. Zur Verbreitung tragen auch Fliegen bei.

Die Inkubationszeit beträgt 12 bis 96 Stunden, selten länger. Die Bakterien befallen hauptsächlich den Dickdarm, wo sie in die Schleimhaut eindringen. Auch nach Abklingen der akuten Symptome können die Bakterien noch ausgeschieden werden.

Symptome

Prinzipiell können zwei Verlaufsformen unterschieden werden. Die toxische Bakterienruhr beginnt plötzlich mit Fieber, Appetitlosigkeit, Abgeschlagenheit und kolikartigen Bauchschmerzen. Es kommt zu häufigem Erbrechen und sehr zahlreichen, blutig-schleimigen, durchfallartige Stühlen mit heftigen Tenesmen (= heftige Afterkrämpfe bei anhaltendem Stuhldrang).

Durch den raschen Wasser- und Mineralverlust kann es zu Austrocknungssymptomen (Hautfalte am Handrücken bleibt stehen, verminderte oder ausbleibende Urinsekretion, Nierenschmerzen, usw.) und zum Schock kommen. Die Toxine (Gifte) können ins Blut eingeschwemmt werden. Die Folge sind dann zentralnervöse Symptome, wie Nackensteifigkeit, Krämpfe oder Apathie.

Leichtere Verlaufsformen beginnen meist auch plötzlich mit Fieber, Erbrechen, Tenesmen und wässrigen Durchfällen. Zentralnervöse Symptome oder ein Kreislaufzusammenbruch sind selten.

Komplikationen

Von den Infektherden im Dickdarm ausgehend können sich Geschwüre bilden. Im Extremfall weitet sich der Darm extrem aus und ein lebensgefährlicher Darmriss mit der Gefahr einer Entzündung des Bauchfells (Peritonitis) ist die Folge. Nach Abklingen der akuten Erkrankung können auch Gelenkschmerzen auftreten, die meist spontan wieder verschwinden. Gelenkentzündungen oder das sogenannte Reiter-Syndrom sind selten. Eine weitere Komplikation, die sich außerhalb des Darms manifestiert, ist das so genannte hämolytisch-urämische Syndrom, das durch eine Kombination aus Nierenversagen und einer hämolytischen (= die roten Blutkörperchen zersetzend) Anämie (= Blutarmut) charakterisiert ist.

Diagnose

Zunächst kann aus den Symptomen und einem eventuellen Aufenthalt in klassischen Endemiegebieten nur eine Verdachtsdiagnose gestellt werden. Eine bakteriologische Untersuchung kann die Diagnose bestätigen. Als Untersuchungsmaterial eignen sich frische Stuhlproben.

Therapie

Generell wird bei einer Shigellose eine Antibiotikatherapie empfohlen. In der Regel wird dadurch die Krankheitsdauer und die Ausscheidung der Bakterien verkürzt. Nach Testung sind folgende Antibiotika geeignet: Ampicillin, Tetracyclin, Ciprofloxacin und Cotrimoxazol.

Wichtig ist es in jedem Fall die Flüssigkeitsverluste auszugleichen. Bei schweren Fällen ist dazu eine Klinikeinweisung mit intravenösem Flüssigkeitsersatz nötig.

Medikamente, welche die Darmbewegungen hemmen, sollten nicht eingesetzt werden.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 11.04.2008


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