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Angststörung (engl. anxiety disorder)

Angststörungen sind psychische Störungen, deren markantestes Merkmal Furcht vor bestimmten Objekten bzw. Situationen oder allgemeine Ängste sind. Dabei äußert sich der Angstzustand in körperlichen und seelischen Beschwerden, ohne dass eine adäquate Bedrohung vorhanden wäre. Teilweise sind sich die Betroffenen darüber bewusst, dass ihre Ängste in keinem Verhältnis zur Realität stehen, dennoch ist für sie die Angst wirklich vorhanden. Die genauen Ursachen der Angststörungen sind nicht bekannt. Eine gewisse genetische Disposition in Verbindung mit traumatischen Erlebnissen wird angenommen. Die Angststörungen werden in drei Gruppen unterteilt:
  • Phobien: Die Angstzustände werden durch spezifische, jedoch harmlose Auslöser hervorgerufen. Dazu zählen die Klaustrophobie ("Angst in bzw. vor geschlossenen Räumen), die Agoraphobie ("Platzangst"), soziale Phobien, Tierphobien und situative Phobien, wie die Höhenangst (Akrophobie). (Weitere Informationen zu Ursachen, Symptomen und Behandlung von Phobien finden sich im Lexikon unter Phobie)
  • Panikstörungen: Diese Form der Angststörung tritt ohne äußeren konkreten Anlass auf. Sie beginnt plötzlich, erreicht innerhalb weniger Minuten ihren Höhepunkt und hält mindestens einige Minuten an.
  • Generalisierte Angststörung: Hierbei handelt es sich um eine länger andauernde (> 6 Monate) diffuse Angststörung, deren Anlass alltägliche Probleme und Ereignisse sind.
Ungefähr 10 Prozent der Bevölkerung leiden an Angststörungen, die behandlungsbedürftig sind. Dabei sind Frauen doppelt so häufig betroffen wie Männer. Personen mit Panikstörungen leiden häufig gleichzeitig an einer Agoraphobie.

Was sind allgemeine Angstsymptome?

Angst macht sich durch körperliche Symptome bemerkbar. Der Puls beschleunigt sich, man verspürt Herzklopfen, es kommt zu Schweißausbrüchen, Zittern, Mundtrockenheit und Hitzewallungen. Hinzukommen können Magen-Darm-Probleme, wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie Atembeschwerden, Brustschmerzen und ein allgemeines Beklemmungsgefühl.

Angstzustände können auch von Bewusstseinsstörungen, wie dem Gefühl "wahnsinnig zu werden" oder dem Empfinden die Kontrolle über seine Gedanken zu verlieren, begleitet werden. Panikattacken können sogar intensive Todesängste hervorrufen. Weitere Symptome sind bisweilen Schwindel und Benommenheit.

Wodurch zeichnen sich Panikstörungen aus?

Bei dieser Form von Angststörungen treten immer wieder Panikattacken auf. Panikattacken bezeichnen das plötzliche Auftreten starker Angst. Innerhalb weniger Minuten erreicht die Angst ihren Höhepunkt. Die Dauer der Panikattacke kann wenige Minuten betragen oder sich über Stunden hinziehen. Für gewöhnlich endet sie nach 10 bis 30 Minuten.

Die Angstattacke kann ohne jede Vorwarnung, zu jeder Tages- und Nachtzeit sowie auch in völlig entspannter Atmosphäre auftreten. Auslöser können auch von vornherein mit Angst behaftete Situation oder Orte sein. Beispiele dafür sind Plätze, an denen man sich beengt fühlt, wie im Inneren von Bussen, Flugzeugen oder Fahrstühlen, oder die typische Referatsituation, bei der man vor vielen Menschen reden muss. Auch in Situationen, die die Betroffenen bisher als neutral erlebt haben, können plötzlich Angstattacken auftreten. So kann man über einen langen Zeitraum angstfrei Auto fahren, bis es dann plötzlich zu einer Angstattacke kommt.

Symptome von Panikattacken sind besonders häufig Herzklopfen, Herzrasen, Schweißausbrüche, Atmungsstörungen, Engegefühle in der Brust, Zittern, Lähmungen und geistige Verwirrung. Die Betroffenen können Todesangst empfinden. Sie stellen jedoch häufig keine Verbindung zwischen ihrer Angst und den auftretenden Symptomen her.

Wie machen sich generalisierte Angststörungen bemerkbar?

Die generalisierte Angststörung zeichnet sich durch langanhaltende Angstzustände aus. Die Ängste beziehen sich nicht auf bestimmte Objekte oder Situationen, sondern sind diffus. Häufig quält die Betroffenen die Furcht, dass Angehörige Unfälle erleiden oder schwer erkranken, oder dass schreckliche Naturkatastrophen eintreten könnten. Manchmal wissen sie auch gar nicht genau, wovor sie Angst haben. Sie können sich meist nur kurz von dieser Angst ablenken und auf andere Dinge konzentrieren.

Die typischen Symptome sind:
  • Spannungszustände, die sich durch Muskelverspannungen, Ruhelosigkeit und die Unfähigkeit sich zu entspannen, auszeichnen.
  • Beklemmungsgefühle, Schluckbeschwerden, Mundtrockenheit, Nervosität, Reizbarkeit und Konzentrationsstörungen;
  • Schlafstörungen, die aufgrund von Sorgen und Angst entstehen.
Das massive körperliche Beschwerdebild kann schließlich mit verantwortlich für Depressionen sein.

Wie erfolgt die Diagnosestellung?

Eine zentrale Rolle bei der Diagnosestellung spielt das ärztliche oder psychotherapeutische Gespräch. Die geschilderten Symptome geben erste Anhaltspunkte auf die Erkrankung. Um die physischen Krankheitszeichen, wie Atembeklemmungen oder Herzrasen von organischen Erkrankungen abzugrenzen, erfolgen zunächst einige körperliche Untersuchungen (Ausschlussdiagnostik). Eine Reihe von laborchemischen (Blutwerte) und technischen (EKG, EEG, usw.) Untersuchungen sind dazu notwendig. Erst wenn körperliche Krankheiten ausgeschlossen werden können, kann die Diagnose der psychischen Störung erfolgen und ein Behandlungsplan aufgestellt werden.

Wie sieht die Behandlung der Angststörungen aus?

Die Therapie richtet sich nach der Schwere und der Art der Angststörung. Eine wichtige Rolle spielt dabei das therapeutische Gespräch. Den Patienten muss klar gemacht werden, dass sie nicht an einer körperlichen Krankheit leiden, sondern ihre Symptome aufgrund ihrer Angststörung entstehen. Auch werden ihnen fatale angstauslösende Denkmuster bewusst gemacht und eine schrittweise Korrektur dieser eingeleitet. Genaue Informationen über die Angststörung wirken dabei unterstützend.

Bewährt hat sich in der Therapie von Angststörungen eine Kombination von medikamentösen und psychotherapeutischen Verfahren. Nur bei schweren Störungen setzt man so genannte Antidepressiva ein, bei akuten Angstschüben können auch angstlösende Medikamente, wie Benzodiazepine verabreicht werden. Ihre Verordnung erfolgt jedoch nur kurzzeitig, da sie abhängig machen können.

Unterstützend bei der Angsttherapie werden Entspannungsverfahren, wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training und Biofeedback, eingesetzt. Im Rahmen einer Verhaltenstherapie wird der Patient schrittweise dazu gebracht, die angstauslösende Situation bewusst aufzusuchen und bei der Konfrontation mit der Angst zu merken, dass er keine negativen Konsequenzen zu befürchten hat. Des Weiteren gibt es noch tiefenpsychologische Therapien, die jahrelang dauern können.

Wie ist der Verlauf der Erkrankung?

Angststörungen können chronisch werden, wenn sie nicht ausreichend behandelt werden. Da die Ängste spezielle Verhaltensmuster nach sich ziehen, wie strikte Vermeidung der angstauslösenden Situation, von bestimmten Orten oder Anlässen, manövrieren sich die Erkrankten in eine gewisse soziale Isolation. So kann es passieren, dass sie Ihren Ängsten und ihrer allgemein schlecht empfundenen Situation zu entfliehen versuchen, indem sie sich mit Alkohol und Medikamenten betäuben. Vor allem Patienten, die unter sozialen Phobien leiden, sind für diese Form der Kompensation empfänglich.

Panikstörungen und generalisierte Angststörungen können über Jahre bestehen. Eine spontane Selbstheilung ist bei Panikstörungen nur in 10 bis 30% der Fälle zu beobachten. Bei der Erkrankung wechseln sich Phasen mit häufig auftretenden Panikattacken und fast symptomlose Zeiten ab. Mit einer Verhaltenstherapie und Medikamenten kann die Prognose verbessert werden. Allgemein kann festgestellt werden: Je früher die Behandlung einer Angststörung beginnt, umso günstiger ist die Prognose.


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Diese Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für ärztliche Beratung angesehen werden. Der Inhalt von medhost.de kann und darf auf keinen Fall verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Selbstbehandlung durchzuführen.

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