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Angina (Tonsillitis, Tonsillopharyngitis, Mandelentzündung)

Der medizinische Begriff Angina bedeutet "Enge" oder "Beklemmung" und wird daher für viele Krankheiten verwendet, die durch ein ausgeprägtes Engegefühl charakterisiert sind (Bsp. Angina pectoris mit ihren Unterformen). Im engeren Sinne meint man damit jedoch die Angina tonsillaris. Weitere Bezeichnungen für diese entzündliche Erkrankung, die mit Schluckbeschwerden, Halsschmerzen und Fieber einhergeht, sind Mandelentzündung, Tonsillitis oder Tonsillopharyngitis. Bei einer Mandelentzündung sind insbesondere die Gaumenmandeln (siehe unten) von entzündlichen Veränderungen betroffen. Es werden zwei Formen der Tonsillitis unterschieden: die akute (Tonsillitis acuta) und chronische (Tonsillitis chronica) Mandelentzündung. Die akute Form tritt plötzlich auf und ist durch eine heftige Symptomatik gekennzeichnet (hohes Fieber, starke Halsschmerzen). Bei der chronischen Form sind die Mandeln durch wiederholt auftretende Anginen chronisch entzündet. Die Betroffenen haben oft nur geringe Beschwerden (= Halskratzen). An einer akuten Mandelentzündung kann man in jedem Lebensalter erkranken. Gehäuft kommt diese Erkrankung jedoch bei Kindern und jungen Erwachsenen vor.

Wo liegen die Mandeln?

Die Mandeln sind nach ihrer jeweiligen Lage benannt und bilden den so genannten lymphatischen Rachenring. Dazu gehören die im hinteren Zungendrittel lokalisierten Zungenmandeln, die zwischen den Gaumenbögen liegenden Gaumenmandeln und die am Dach des Nasenrachens befindlichen Rachenmandeln. Ihre vornehmliche Aufgabe ist es, den Körper vor Bakterien oder Viren zu schützen, die über den Mund und Rachenraum eindringen können. Dazu produzieren sie Lymphozyten (= weiße Blutkörperchen), die im Mund und Rachen zirkulieren.

Was sind die Ursachen der Mandelentzündung?

Die akute Mandelentzündung wird meist durch Viren, bei denen es sich in 80% der Fälle um Adeno- und Parainfluenzaviren handelt, verursacht. Weitere Erreger sind Bakterien, wie ß-hämolysierende Streptokokken der Gruppe A, Staphylo- und Pneumokokken. Die Keime haben besonders bei geschwächter Abwehrlage, wie in Stresssituationen oder bereits bestehenden Infekten des Nasen-Rachen-Raums, ein leichtes Spiel.

Bei der chronischen Mandelentzündung handelt es sich meist um eine Mischinfektion von aeroben (mit Sauerstoff lebenden) und anaeroben (ohne Sauerstoff lebende) Erregern in Verbindung mit ß-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A. Abgestorbene Zellen und Bakterienausscheidungen lagern sich in den tiefen, nach innen verlaufenden Furchen der Mandeln (Krypten) ab und führen dort zu einer ständigen Infektion. Vernarbungen und Zerklüftungen der Mandeln sind die Folge. Dieser Entzündungsherd kann auch der Ausgangspunkt für schwerwiegende Erkrankungen sein.

Was sind die Symptome?

Die akute Mandelentzündung beginnt meist plötzlich mit hohem Fieber und Schüttelfrost. Die Patienten haben Halsschmerzen, die stärker werden. Das Schlucken fällt zunehmend schwerer. Manchmal bereitet sogar das Schlucken der eigenen Spucke Beschwerden. Die Schmerzen können bis in die Ohren ausstrahlen. Auch die Halslymphknoten sind schmerzhaft angeschwollen. Die Patienten klagen über ein starkes Krankheitsgefühl und Kopfschmerzen, die Sprache wirkt kloßig. Tritt innerhalb von 48 Stunden keine Besserung ein, so sollte ein Arzt aufgesucht werden.

Bei der chronischen Mandelentzündung finden sich meist keine akuten Krankheitszeichen. Die Betroffenen haben ein "Kratzen im Hals", klagen bisweilen über einen schlechten Geschmack im Mund und haben Mundgeruch. Die Lymphknoten im Halsbereich können ständig vergrößert sein, jedoch bereiten sie keine Schmerzen.

Welche Komplikationen können auftreten?

Da die Mandeln, vor allem bei Kindern, sehr stark anschwellen können, kann dies zu Atemnot führen. Dehnen sich die Eiterherde der Mandeln auf das umgebende Gewebe aus, so entsteht ein so genannter Peritonsillarabszess. Er ist charakterisiert durch meist einseitige Schluckbeschwerden, die nach einer beschwerdefreien Zeit entstehen und von Fieber begleitet werden. Es kann sogar zur Kiefersperre kommen, das heißt, der Mund lässt sich nur unter starken Schmerzen oder gar nicht mehr öffnen. Die Gaumenmandel der betroffenen Seite ist stark angeschwollen, das Gaumenzäpfchen wird auf die andere Seite verdrängt.

Vor allem die chronische Tonsillitis ist die Ursache für Erkrankungen, die weiter weg vom Entzündungsherd liegen. Bei ihr sind ständig Keime vorhanden, die zu Entzündungen in anderen Organen führen können. Der eigentliche Auslöser sind dabei die gegen bestimmte Bakterien gebildeten Antikörper, die mit körpereigenem Gewebe reagieren. Die Folgeerkrankungen sind rheumatisches Fieber, Herz- und Nierenentzündungen, Gelenkrheumatismus und Hauterkrankungen. Bleibende Schäden, wie ein Herzklappenfehler oder Niereninsuffizienz, können daraus resultieren.

Wie erfolgt die Diagnose?

Bezeichnend sind bereits die auftretenden Beschwerden. Bei der akuten Mandelentzündung sind die Gaumenmandeln gerötet und geschwollen. Auf ihnen finden sich in einem späteren Erkrankungsstadium weißgelbliche Eiterstippchen und ausgedehnte Beläge. Zudem kann man feststellen, dass die Gaumenbögen entzündlich gerötet sind. Die Zunge ist belegt und die Halslymphknoten unter den Gaumenmandeln sind angeschwollen. Zur Abgrenzung von Krankheiten mit ähnlichen Symptomen, wie Scharlach, Diphtherie oder Pfeiffer-Drüsenfieber, können Abstriche gemacht oder Blutuntersuchungen angeordnet werden.

Bei der chronischen Tonsillitis sind die Gaumenmandeln eher klein. Sie weisen narbige Veränderungen und Zerklüftungen auf. Drückt man gegen sie, so kann sich eine trübe Flüssigkeit oder bröckelige Substanz (Dentritus) aus ihnen entleeren. Gleichzeitig sind die Gaumenbögen gerötet. Aus dem Blut lassen sich spezifische Antikörper (Antistreptolysin) gegen Gifte von Streptokokken nachweisen.

Wie wird behandelt?

Bei einer akuten Mandelentzündung erfolgt die Behandlung mit Bettruhe sowie schmerz- und fiebersenkenden Medikamenten, die beispielsweise Paracetamol enthalten. Zudem können lokal wirkende desinfizierende Gurgellösungen (Salbei Kamille, Aluminiumchlorat, usw.) angewendet werden. Als wohltuend werden auch feuchte Halswickel empfunden. Reichlich Flüssigkeitsaufnahme (keine Fruchtsäfte) unterstützt den Heilungsprozess. Werden Streptokokken nachgewiesen, so müssen Antibiotika eingenommen werden. Leichte Verläufe der Erkrankung können nach circa einer Woche ausgeheilt sein.

Bei einer chronischen Mandelentzündung hilft auf Dauer meist nur die operative Entfernung der Mandeln (Tonsillektomie). Sie ist insbesondere anzustreben, wenn die Tonsillitis zu entzündlichen Erkrankungen im ganzen Körper führt. Die Tonsillektomie kann auch in Betracht gezogen werden bei immer wieder auftretenden Anginen, abstoßendem Mundgeruch und unklaren Beschwerden. Meistens führt die Entfernung der Mandeln dann zu einer Besserung des Allgemeinbefindens und der lokalen Beschwerden.


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