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Analkrebs - Analkarzinom (engl. anal carcinoma)

Ein Analkrebs entsteht in den Hautzellen direkt um den After herum (Analrandtumoren) oder in der Schleimhaut des Übergangsbereichs von After und Mastdarm, in dem circa drei bis sechs Zentimeter langen Analkanal. Die bösartigen Tumoren entwickeln sich in ungefähr 90 Prozent der Erkrankungsfälle aus dem sogenannten Plattenepithel (= bestimmte Gewebeart). Man spricht in diesem Zusammenhang von einem Plattenepithelkarzinom. Die Symptome zeigen sich relativ spät in Blutauflagerungen auf dem Stuhl, Juckreiz in der Aftergegend, Inkontinenz und Schmerzen beim Stuhlgang. Diese Krankheitszeichen sind jedoch nicht sehr spezifisch und können beispielsweise auch bei Hämorrhoiden auftreten.

Die Analkarzinome treten im Vergleich zum kolorektalen Karzinom (Dickdarm- und Mastdarmkrebs) relativ selten auf. Sie stellen nur 1 - 3 Prozent aller Tumoren des unteren Verdauungstraktes dar. Die Häufigkeit wird mit 0,5 Erkrankten auf 100 000 Einwohner angegeben. Der Altersgipfel liegt nach dem 60. Lebensjahr.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursache von Analkarzinomen ist unbekannt. Jedoch wird die Infektion mit bestimmten Typen des sexuell übertragbaren humanen Papillomavirus (HPV Typ 16 oder Typ 18) in Verbindung gebracht. HPV-Viren begünstigen auch die Entstehung von Gebärmutterhals- und Vulvakrebs sowie die Ausbildung von Feigwarzen. Schließlich kann so eine Infektion zu sogenannten intraepithelialen Neoplasien (Wucherungen im Gewebe) führen, die in ein Plattenepithelkarzinom übergehen können. Die Ausbildung des Analkarzinoms wird durch ein geschwächtes Immunsystem zusätzlich begünstigt. Somit haben beispielsweise Patienten nach Transplantationen oder AIDS-Patienten ein erhöhtes Risiko zu erkranken.

Weitere begünstigende Faktoren sind verstärkte mechanische Beanspruchungen der empfindlichen Analregion und chronisch entzündliche Prozesse in diesem Bereich, wie Fisteln oder Fissuren (Einrisse).

Symptome

Folgende Beschwerden können auf ein Analkarzinom hindeuten:
  • Blutauflagerungen auf dem Stuhl,
  • Juckreiz in der Afterregion,
  • Schmerzen beim Stuhlgang,
  • Fremdkörpergefühl,
  • Schwierigkeiten, den Stuhlgang zu kontrollieren,
  • Stuhlunregelmäßigkeiten und Verstopfung,
  • angeschwollene Lymphknoten im Leistenbereich,
  • markant geformte Stühle, wie sogenannte Bleistiftstühle oder Einschnitte im Stuhl.
Etwa ein Viertel der Patienten mit Analkrebs hat keine Symptome. Bei ihnen wird der Krebs bei Routineuntersuchungen entdeckt.

Diagnose

Um ein Analkarzinom zu diagnostizieren, untersucht der behandelnde Mediziner die Haut um den After herum auf krankhafte Veränderungen. Die Schleimhaut im After und im unteren Mastdarm tastet er auf "verdächtige" Stellen ab. Anschließend wird bei einer Spiegelung des Enddarms aus einem evtl. veränderten Bereich eine Gewebeprobe entnommen und mikroskopisch untersucht. Die Lymphknoten in den Leisten werden auf Schwellungen und Schmerzen abgetastet.

Hat sich aufgrund der feingeweblichen Untersuchung der Gewebeprobe Diagnose "Analkrebs" bestätigt, so folgen eine Reihe von weiteren Untersuchungen, um das Ausmaß des Tumors und eventuelle Absiedlungen in anderen Organen aufzuspüren. Im Einzelnen werden dabei folgende Methoden eingesetzt:
  • Bestimmung von Tumormarkern (SCC, CEA),
  • Röntgen der Lunge,
  • Ultraschall der Leber,
  • Endosonografie (Ultraschall im Darm),
  • Magnetresonanztomografie,
  • Computertomografie,
  • gynäkologische und urologische Untersuchung.

Therapie

Bei lediglich außen sitzenden sogenannten Analrandtumoren kann eine Operation allein Heilung bringen. Die typischen Analkanaltumoren werden für gewöhnlich mit einer kombinierten Strahlen- und Chemotherapie behandelt. Eine alleinige Operation wird vermieden, um den Schließmuskel, der den After bis zum Stuhlgang verschließt, nicht zu beeinträchtigen. Eine Stuhlinkontinenz (Verlust über den Stuhlgang) wäre die Folge. Werden nach der Radiochemotherapie bei einer Kontrollbiopsie noch Tumorreste aufgespürt, ist manchmal eine umfangreichere Operation mit der Anlage eines künstlichen Darmausgangs nötig. Mit der Radiochemotherapie werden auch Metastasen in den Lymphknoten in der Leisten- und Beckenregion behandelt. Zudem wird die Behandlung zur Linderung von Schmerzen eingesetzt (nicht heilender, sondern palliativer Therapieansatz).

Selten kommt es bei einem Analkarzinom zu Absiedelungen (Metastasen) in anderen Organen. Diese Metastasen werden - falls es der Gesundheitszustand des Patienten erlaubt - durch eine Chemotherapie behandelt. Eingesetzte Zytostatika sind beispielsweise Cisplatin und 5-Fluorouracil.

Prognose und Nachsorge

Die Fünf-Jahres-Überlebensrate nach der Erstdiagnose wird mit 70 bis 90 Prozent angegeben. Nach der Therapie sollten in bestimmten Abständen Kontrolluntersuchungen stattfinden. Dabei wird der Enddarm gespiegelt und Tumormarker aus dem Blut des Patienten bestimmt. Ein Ultraschall der Leber und das Röntgen der Lungen lassen eventuell vorhandene Metastasen erkennen. Rehabilitationsmaßnahmen werden insbesondere bei Folgeschäden aufgrund der Bestrahlung, bei einem künstlichen Darmausgang oder Stuhlinkontinenz empfohlen.

Vorbeugung

Da der Analkrebs u. a. mit sexuell übertragbaren Krankheitserregern in Verbindung gebracht wird, kommt einem verantwortungsbewussten Sexualverhalten (bsp. Verwendung von Kondomen) ein prophylaktischer Stellenwert zu.

Alarmsignale, wie Juckreiz am After, Blutauflagerungen auf dem Stuhl und Schmerzen beim Stuhlgang sollten immer ärztlich abgeklärt werden, da es sich um Anzeichen eines Analkarzinoms handeln kann. Je früher der Krebs entdeckt wird, desto besser sind seine Heilungschancen.

med. Redaktion Dr. med. Werner Kellner
Aktualisierung 19.06.2008


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