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Akutes Nierenversagen (engl. acute renal failure)

Bei einem akuten Nierenversagen - abgekürzt ANV - handelt es sich um eine akut auftretende und anhaltende, jedoch reversible Beeinträchtigung der Nierenfunktion. Dabei geht die Funktionsbeeinträchtigung meist mit einer verringerten Harnmenge einher. Folge der des ANV ist die Anreicherung von bestimmten Stoffwechselendprodukten des Eiweißstoffwechsels im menschlichen Körper. Überschreiten diese Substanzen gewisse Grenzwerte, so kommt es zur so genannten Urämie. Dabei handelt es sich um eine lebensbedrohliche Vergiftungssituation, die zu einer Bewusstlosigkeit und einem Zusammenbruch der Stoffwechselfunktionen führt. Das akute Nierenversagen entsteht innerhalb von wenigen Stunden bis Tagen. Es muss intensivmedizinisch behandelt werden.

Was sind die Ursachen des ANV?

Der Funktionsverlust der Nieren ist auf eine Unterversorgung des Nierengewebes mit Sauerstoff zurückzuführen. Dadurch werden hochaktive Zellen, die Tubuluszellen geschädigt. Sie bilden dann zähflüssige Substanzen, welche die Tubuli (Nierenkanälchen) verstopfen. Die Nierenfunktion fällt dadurch teilweise oder völlig aus.

Es werden drei Ursachenkomplexe für den plötzlichen Funktionsausfall der Nieren verantwortlich gemacht: 80% der Störungen gehen nicht direkt von den Nieren oder den ableitenden Harnwegen aus (praerenales ANV). Die Minderdurchblutung und damit die Unterversorgung des Nierengewebes mit Sauerstoff können durch starken Blutverlust bei Unfällen oder bei Operationen hervorgerufen werden. Auch Schockzustände mit extremem Blutdruckabfall, schwere Infektionen und extremer Wasser- und Elektrolytverlust (exzessives Schwitzen, massives Erbrechen, usw.) können das ANV provozieren.

Eine direkte Schädigung (renales ANV) des Nierengewebes wird durch so genannte Nephrotoxine (=“Nierengifte“) bewirkt. Ungefähr 15 -20% der Schädigungen sind darauf zurückzuführen. Zu den Giften zählen beispielsweise bestimmte Schwermetalle, Glykolverbindungen, Phenole, Phosphor, E605 und Tetrachlorkohlenstoff. Auch Medikamente (Barbiturate, bestimmte Antibiotika, Zytostatika, usw.), allergische Reaktionen oder bakterielle Infekte können ein renales ANV auslösen.

Eine weitere Ursache kann schließlich eine plötzliche Abflussbehinderung in den ableitenden Harnwegen sein. Dazu zählen beispielsweise ein Harnstein im Harnleiter, Harnwegstumoren oder Blasenentleerungsstörungen durch eine vergrößerte Prostata. Es wird von einem postrenalen ANV gesprochen.

Stadieneinteilung des akuten Nierenversagens

1. Induktion:
Es kommt zur Abnahme der Nierendurchblutung, beispielsweise durch einen Schock, Bakteriengifte oder Harnabflussstörungen. In dieser Phase treten noch keine Symptome auf.

2. Erhaltung:
Die Nierenfunktionsstörung zeigt sich durch eine deutlich verringerte Urinmenge (weniger als 500 ml/Tag) oder fast fehlende Urinmenge (50 -100 ml/Tag). Man spricht von einer Oligo- bzw Anurie. Im Blut kommt es zum Konzentrationsanstieg von Stoffwechselabbauprodukten (Urämie). Die Dauer dieser Phase kann Tage bis Wochen dauern.

3. Erholung:
Nach Beseitigung der auslösenden Ursache kommt es zur Harnüberproduktion (> 3000 ml /Tag). Die Nieren nehmen ihre Funktion nach und nach wieder auf. Diese Phase dauert in der Regel nur Tage.

4. Restitution:
Bei 80 – 90% der Patienten kommt es im Verlauf von Monaten zu einer wiederhergestellten Nierenfunktion mit normaler Harnproduktion. Die Folge bei den restlichen Patienten kann eine chronische Niereninsuffizienz sein.

Welche Symptome treten auf und wie sieht die Diagnostik aus.

Charakteristisch für das ANV sind:
  • Eine verringerte Ausscheidung von Urin (weniger als 500 ml/Tag), trotz normaler Trinkmenge.
  • Die Hände und Beine schwellen an, Ödeme (Wasseransammlungen) treten auf.
  • Eine weitere Folge kann ein Lungenödem (Wasserlunge) bei steigender Überwässerung sein.
  • Die zunehmende Konzentrierung von harnpflichtigen Substanzen (Kreatinin, Harnstoff) im Blut führt zu Übelkeit, Erbrechen und Bewusstseinseintrübung.
Diagnostische Methoden, um den Verlauf des ANV zu beurteilen, umfassen:
  • tägliche Messungen der Urinausscheidung,
  • Blutuntersuchungen (Harnstoff, Kreatinin),
  • weiterführende Untersuchungen des Urins,
  • die Bestimmung der Nierenclearance (Nierenausscheidungsfunktion),
  • Ultraschall der Nieren und der ableitenden Harnwege.
Wie kann die Therapie aussehen?

Ziel der Therapie ist die Beseitigung der auslösenden Ursache bei gleichzeitiger Behandlung der Symptome und Komplikationen des ANV. Die natürliche Nierenfunktion muss schnellstmöglich wiederbelebt werden. Ursächliche Therapien umfassen beispielsweise stabilisierende Maßnahmen des Kreislaufs durch Infusionen und Medikamente, eine Antibiotikatherapie bei Infekten oder die Beseitigung von Harnabflussstörungen durch Entfernung von blockierenden Harnsteinen oder Tumoren.

Die symptomatische Therapie bei ANV ist abhängig von den jeweiligen Krankheitszeichen. Eine Steigerung der Urinmenge kann durch bestimmte Medikamente erreicht werden. In der Erhaltungsphase mit verminderter Urinausscheidung (oligurischen Phase) muss aber gleichzeitig die Flüssigkeitszufuhr beschränkt werden, um eine Überwässerung (Lungenödem) zu verhindern. Um das Blut von den hohen Konzentrationen von harnpflichtigen Substanzen zu reinigen, kann vorübergehend eine Dialyse nötig sein. Auf Elektrolytentgleisungen (Kalium, Natrium, Calcium und Phosphat) muss rechtzeitig reagiert werden. In der Phase der Harnüberproduktion (Erholungsphase) muss die verlorene Flüssigkeit ersetzt werden. Dies ist lebensnotwendig.


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